Mercedes-Pilot Jan Seyffarth: „Für mich war das Quali-Rennen von Anfang an wichtig“

Auf der Nordschleife zählt vor allem eines – Erfahrung. Davon hat Jan Seyffahrt (32) einiges aufzuweisen: Acht Mal startete er seit 2011 beim ADAC TOTAL 24h-Rennen und brachte es auch in der VLN auf viele Einsatzkilometer auf dem legendären Kurs. Der vorläufige Höhepunkt war 2018 erreicht: Dem Sieg mit Black Falcon im 24h-Qualirennen folgte ein Podestplatz beim 24h-Rennen. In diesem Jahr würde der Leimbacher gerne noch eins drauf setzen und den Traum vom 24h-Sieg in seinem neuen Team GetSpeed Performance endlich Wirklichkeit werden lassen. Doch der Mercedes-AMG-Test- und Entwicklungsfahrer weiß, dass das nicht einfach wird. Sogar wenn man, wie er, maßgeblich an der Entwicklung des Mercedes-AMG GT3 beteiligt war, in dem er nun ins Volant greift, ist die Herausforderung riesig. Und dass die Vorbereitung in der VLN bislang mit einem Ausfall und einem abgesagten Rennen sehr kurz ausfiel, macht die Sache nicht einfacher. Vielleicht hilft da sein Steckenpferd. Der Sachsen-Anhaltiner ist leidenschaftlicher Sim-Racer und seit dem vergangenen Herbst sogar Vorsitzender der AG Sim Racing im Deutschen Motor Sport Bund. Im Interview gibt er einen Ausblick auf das 24h-Qualirennen und das 24h-Rennen.

???: Deine Vorbereitung im Rahmen der VLN lief nicht wirklich optimal. VLN 2 wurde abgesagt und bei VLN 3 seid ihr ausgefallen.
Jan Seyffarth: „Das stimmt, es lief sehr durchwachsen. Bisher bin ich nur sieben Runden auf der Nordschleife gefahren. Normalerweise wären es über 20. Dass VLN 2 wegen Schneefalls abgesagt wurde, konnte man nicht vermeiden und auch der Unfall im dritten VLN-Lauf war kaum zu verhindern. Renger war auf Aquaplaning gekommen und da ist man im Auto nur noch Passagier. Die fehlenden Runden tun trotzdem weh. Es geht nicht wirklich darum, die Geschwindigkeit zu finden – schnell sind wir da alle –, sondern sich wieder an den Verkehr zu gewöhnen. Aber so erging es mir schon vergangenes Jahr: die VLN lief nicht gut und dann konnten wir das Quali-Rennen gewinnen.“

???: Nach den ganzen Problemen. Wie wichtig ist das Quali-Rennen?
Jan Seyffarth: „Die Veranstaltung wurde von vielen zunächst belächelt – speziell von den kleineren Teams. Das hat sich sicher geändert. Für mich war sie von Anfang wichtig. Man hat ein Nachttraining und wird gut auf das 24h-Rennen eingestimmt. Besonderen Fokus legen wir auf die Qualifikation für das Top-Qualifying. Alle GT3-Fahrzeuge wollen daran teilnehmen. Wenn man es im Vorfeld des 24h-Rennens nicht schafft, sich zu qualifizieren, hat man am 24h-Wochenende richtig Stress und andere Dinge kommen zu kurz.“

???: Was sagst zu denn zum neuen Format des Top-Qualifyings?
Jan Seyffarth: „Ich finde es gut, dass mehr Fahrzeuge einbezogen werden. Die Vielfalt macht das 24h-Rennen nun mal aus. Ich bin gespannt, wie es läuft und hoffe, dass der Geschwindigkeitsunterschied nicht zu groß sein wird. Manchmal standen sich die GT3-Pros schon gegenseitig im Weg. Aber ich gehe davon aus, dass beim Einzelzeitfahren immer die Topfahrer am Steuer sitzen, und dann müsste es eigentlich gut funktionieren.“

???: Das Quali-Rennen und das 24h-Rennen finden in diesem Jahr etwas später statt. Wie groß ist die Hoffnung, dass die Wetterkapriolen ausbleiben?
Jan Seyffarth: „Das hoffen alle, aber den Nürburgring kann keiner einschätzen. Ich würde beim 24h-Rennen gerne mal wieder 24 Stunden fahren und nicht 18 oder 20. Ich bin auch gespannt, wie es beim Qualirennen wird. Grundsätzlich finde ich es schön, dass wir später im Jahr dran sind. Dann ist das Saisonhighlight nicht schon so früh vorbei, und man hat vier Wochen Vorbereitung und ein VLN-Rennen mehr. Außerdem ist es im Juni insgesamt meistens schöner.“

???: Welches Ziel setzt du dir für das 24h-Rennen?
Jan Seyffarth: „Ich würde schon sehr gerne gewinnen, da ich jetzt drei Mal Dritter geworden bin. Aber realistisch gesehen wird es mit dem Sieg schwer. GetSpeed startet zum ersten Mal auf dem Mercedes, und es muss sich alles noch etwas einspielen. Teams wie Black Falcon kennen den Mercedes gut und sind extrem erfahren. Aber in den wenigen Runden, die ich bisher gefahren bin, hat das Auto sehr gut gelegen. GetSpeed hat einen guten Job gemacht, und auch sie kennen sich auf der Nordschleife sehr gut aus. Bisher stehen die Fahrerpaarungen noch nicht ganz fest, aber wenn das passt, haben wir durchaus Chancen auf einen Podiumsplatz.“

???: Wer sind eure Hauptgegner?
Jan Seyffarth: „Das lässt sich momentan noch nicht genau sagen, aber nach derzeitigem Stand sehe ich den Porsche ganz vorne, gefolgt vom Audi. BMW und wir müssten auf einem Niveau sein. Aber das ist eine Momentaufnahme und wir müssen sehen, wohin die BoP steuert. Unsere Stärke ist auf jeden Fall die Haltbarkeit. Wenn andere Probleme haben, können wir durchziehen.“