Rob Huff: „King of Macau“ und Nordschleifen-Spezialist

Ein Pilot im Feld der FIA WTCR ist beim neunten Saisonlauf (15. – 17. November) besonders in seinem Element: Der Brite Rob Huff (VW Golf GTI TCR) hat sich in den vergangenen Jahren den inoffiziellen Titel des „King of Macau“ eingefahren. Denn kein Rennfahrer auf zwei oder vier Rädern stand beim spektakulären Grand Prix im Spielerparadies am Perlflussdelta häufiger ganz oben auf dem Podium: neun Mal, um genau zu sein – und das macht ihm kein Tourenwagen-, GT-, Formel- oder Motorradpilot nach! Überhaupt scheinen ihm es die schwierigsten Strecken der Erde angetan zu haben, denn auch auf der Nordschleife gehört er seit seinem ersten VLN-Start 2013 Huff zu den anerkannten Experten.

„Macau ist wirklich angsteinflößend“, sagt Huff, der im Team von Ex-Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb antritt. „Es gibt dort keinen Platz für Fehler, aber Du willst trotzdem in jeder Ecke ein wenig mehr. Aber der Unterschied zwischen dem Punkt, an dem Du bist und der, an dem Du sein möchtest, könnte einen Ausflug ins Krankenhaus bedeuten. In jeder Kurve. So einfach ist das.“ 6,120 km ist der Leitplankenkanal in der ehemaligen portugiesischen Kolonie lang, und die haben es absolut in sich: Enge Passagen, eingezwängt zwischen Leitplankenmauern wechseln mit langen, weiten Geraden ab. Wechselnde Kurvenradien bis hin zur engsten Haarnadel weltweit machen den Kurs extrem anspruchsvoll. Der seit 1954 ausgetragene Grand Prix ist damit genau das richtige Revier für Huff, der hier der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten ist: Nur Motorrad-Rennfahrer Michael Rutter kann ihm mit bislang acht Siegen in dem am gleichen Wochenende ausgetragenen Motorradrennen das Wasser reichen.

„Man muss das gewisse Extra haben“
„Es gibt absolut keinen Weg, jemandem zu erklären, was ich in Macau mache“, sagt der 39-jährge Huff. „Es scheint ein wenig darauf hinauszulaufen, dass man entweder das ’gewisse Extra’ hat oder nicht“, grinst der in Cambridge geborene Brite, dessen Geburtsdatum (25. Dezember) ihn vielleicht unter genau diesen glücklichen Stern stellt. „Alle Piloten in der WTCR haben ohne Zweifel dieses gewisse Extra. Aber wenn Du beginnst, mit den Seitenspiegeln an der Streckenbegrenzung zu schaben, nach jeder Kurve denkst ‘wie habe ich diese Ecke bloß geschafft’, dann bist Du an dem Punkt, den ich meine. Danach musst Du nur noch eines machen: die Luft anhalten – 2:30 Minuten in jeder Runde.“

Siege seit 2008
Huff holte seinen ersten Sieg beim „Guia Race“ im Jahr 2008, drei Jahre nachdem er zum ersten Mal im vielleicht härtesten Straßenrennen der Welt gestartet war. 2011 gelang ihm sogar ein Doppelsieg, und 2012 macht er hier den Titel des Tourenwagen-Weltmeisters perfekt – und als solcher entdeckte er im Jahr darauf sein Herz für die Nordschleife, wo er seitdem immer wieder antritt. Den vorerst letzten Sieg in Macau erntete er mit dem deutschen Team All-inkl.com Münnich Motorsport im Jahr 2017.

Huff über den Ring: „Anspruchsvollste Rennstrecke der Welt“
Dass er ein Spezialist für die größten fahrerischen Herausforderungen im Rundstreckensport ist, bewies Huff auch auf der Nordschleife immer wieder. 2013 startet er hier zum ersten Mal in der VLN, seitdem hat er viele Rennen auf der längsten und schönsten Rennstrecke der Welt absolviert. Auch das ADAC TOTAL 24h-Rennen meisterte er bereits mit Erfolg. „Die Nordschleife ist die anspruchsvollste Rennstrecke der Welt“, sagte Huff vor seinem Start im Mercedes-AMG SLS GT3 im Jahr 2015. „Sie ist auch die längste Strecke, und das heißt auch, dass die Autos stärker beansprucht werden, als auf jeder konventionellen Rennstrecke. Im Gegensatz zu den samtweichen Formel-1-Strecken auf denen die FIA WTCR sonst startet, ist die Nordschleife voller Unebenheiten und Wellen. Das macht das Setup schwierig, und es ist wichtig, die richtige Balance zu finden.“

Das ist genau das richtige Revier für den Briten, der diese anspruchsvollen Bedingungen liebt. 2015 gelang ihm beim 24h-Rennen, das er insgesamt drei Mal bestritt, der Sprung in die Top 10, nur eines fehlt ihm in der Eifel noch: Ein Sieg, denn der blieb ihm trotz seiner vielen Erfolge bislang verwehrt. Dabei hätte es zum Beispiel bei den FIA-WTCR-Läufen am 24h-Wochenende fast soweit sein können. Denn die VW-Piloten waren in Hochform, Huff gehörte in den Qualifyings zu den Schnellsten, konnte das aber im Rennen nicht bestätigen: Im ersten Rennen blieb nach einem spektakulären High-Speed-Duell um Platz drei undankbare vierte Platz hinter den Titelkandidaten Norbert Michelisz (Hyundai) und Esteban Guerrieri (Honda) sowie dessen All-Inkl.com-Teamkollegen Nestor Girolami. Im zweiten Heat fiel er nach einer Berührung mit Gabriele Tarquini aus und konnte beim dritten Umlauf nicht mehr antreten: So muss er weiter hoffen, dass er den prestigeträchtigen Macau-Siegen irgendwann einen ersten auf der Nordschleife folgen lässt.